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| 8. Jh. v. Chr. | Griechische Kolonisation Campaniens |
| 753 v. Chr. | Angebliche Gründung Roms |
| um 510 | Ende der etruskischen Königsherrschaft. Beginn der Republik |
| Ende des 6. Jh.s | Kapitolinische Wölfin. Lapis Niger |
| Mitte des 5. Jh.s | Zwölftafelgesetz |
| um 390 | Galliersturm |
| 312 | Appius Claudius Caecus, bekannter Redner, erbaut als Censor die Aqua Appia und die Via Appia (von Rom nach Capua) |
| 272 | Eroberung der Theaterstadt Tarent |
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Die Entwicklung bis in die Spätzeit der Republik (ca. 24081 v. Chr.) |
| 241 | Ende des Ersten Punischen Krieges, der (noch im 3. Jh.) von dem Campaner Naevius besungen wird. Italien und Sizilien geeinigt: Anfang einer lateinischen Literatur |
| 240 | Erste Aufführung eines literarischen lateinischen Dramas in Rom (durch den wohl aus Tarent stammenden Livius Andronicus) |
| 218 201 | Zweiter Punischer Krieg: danach von Fabius Pictor in griechischer Prosa, von dem aus Unteritalien stammenden Ennius in lateinischen Versen behandelt |
| 211 | Eroberung von Syrakus. Import von Beutestücken nach Rom |
| 197 | Sieg der Römer über Philipp V. von Makedonien bei Kynoskephalai |
| 196 | Griechenland für frei erklärt |
| 191 | Gallia Cisalpina Provinz |
| 186 | Bacchanalienskandal: Einschränkung des Dionysoskults (Senatus Consultum de Baccanalibus) |
| 184 | Tod des Komödiendichters Plautus |
| 169 | Tod des vielseitigen Dichters Ennius |
| 168 | L. Aemilius Paullus siegt bei Pydna über Perseus von Makedonien. Die Hofbibliothek von Pella wird nach Rom gebracht. Griechische Schulen in Rom. Der Historiker Polybios in Rom |
| 166 160 | Terenz, Komödienaufführungen |
| 149 | Cato der Censor (Redner, Historiker, Agrarschriftsteller) gestorben |
| 146 | Zerstörung von Karthago und Korinth |
| 133 | Eroberung von Numantia. Attalos III. von Pergamon vererbt sein Reich den Römern. Stoisch geprägte pergamenische Wissenschaft gewinnt Einfluss in Rom |
| 133 121 | Ti. und C. Gracchus |
| 121 | Gallia Narbonensis Provinz |
| 111 105 | Iugurthinischer Krieg. Numidien Provinz |
| 106 | Cicero geboren |
| 100 | Caesar geboren |
Bedingungen
Dichter sind zunächst Ausländer, Freigelassene, dann bestenfalls freie Italiker.
Prosaiker sind Senatoren (oder deren Klienten).
Die Dichter stammen aus Unter- bis Mittelitalien (Terenz ist Afrikaner), die Redner und Historiker aus Mittelitalien.
Gattungen
Poesie
Epos: Livius Andronicus: Odusia als Stück italischer Urgeschichte; Naevius: Erster Punischer Krieg; Ennius: Zweiter Punischer Krieg.
Drama: Tragödie (Ennius, Pacuvius, Accius), Komödie (reicher Stil: Plautus, Caecilius; strenger Stil: Terenz), daneben andere, z. T. volkstümliche Formen.
Lyrik: Sühnelied des Andronicus. Epigramme: bedeutende frühe Scipioneninschriften; später (um 100) spielerische Liebesepigramme.
Prosa
Rede (reicher Stil: Cato; strenger Stil: C. Gracchus); Geschichtsschreibung (Cato; Annalistik). Erste Berührungen mit Philosophie (Krates von Mallos). Anfänge einer (z. T. ebenfalls stoisch geprägten) Philologie.
Rezeption
Griechisch-römisch: Bei freien Adaptationen ist es problematisch, von 'Übersetzungen' zu reden. Zeitgenössisches (Hellenistisches) wird vor Klassischem und Archaischem aufgenommen, Homer durch das Prisma der hellenistischen Geschichtsepik und Homerrezeption gesehen; die klassische Tragödie empfängt man durch das Medium des hellenistischen Dramas und seiner Aufführungspraxis. Gleichzeitig übernimmt man den Mythos und verschiedene Formen der Entmythologisierung, so dass ein buchstäblicher Glaube von vornherein ausgeschlossen ist. Die Vielseitigkeit bahnbrechender Autoren wie Ennius entspricht ihrer Vermittlerrolle.
Rezeptionsbrücken sind: Tarentinische und überhaupt großgriechische Theatertradition (bei den lateinischen Dramatikern seit Livius Andronicus), Unteritalien und Sizilien (Archestratos, Epicharm, Euhemeros, Pythagoreismus bei Ennius); Pergamon, Pella, Rhodos (Stoisches, für die weitere geistesgeschichtliche Entwicklung in Rom bestimmend); Aufenthalte griechischer Philosophen in Rom; gelehrte Sklaven und Freigelassene.
Ideen
Individuell: Dichterisches Selbstbewusstsein, das sich auf geistige Leistungen gründet, konstituiert sich bei Autoren, die niedriger Herkunft sind. Philosophisches (wie die pythagoreische Seelenwanderung in Ennius' Homertraum) wird dabei nicht dogmatisch rezipiert, es dient vielmehr der Selbstdarstellung.
Politisch: Naevius, Ennius, Cato der Ältere formulieren staatstragende ethische Werte. Zugleich tritt aber auch das Ruhmesstreben der gens und des Einzelnen hervor. Bereits Ennius ist nicht frei von Personenkult (Scipio).
Interkulturell: Das römische Leben wird zunehmend hellenisiert. Das gilt nicht nur äußerlich: Im Sinne griechischer Philosophie stellt Ennius Weisheit höher als Gewalt. Cato plädiert (moderne Vernunft als alte Römermoral verkleidend) für Milde gegenüber den Rhodiern. Dramen, deren Vorlagen zum Teil philosophische Diskussionen oder Typisierungen widerspiegeln, vermitteln dem Publikum Denkanstöße. Redner erhalten ihre Ausbildung nicht nur durch die römische Praxis, sondern auch bei griechischen Redelehrern; die Verbreitung dieser Kunst durch lateinische Rhetoren wird freilich lange Zeit erschwert.
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Die Zeit Ciceros und Caesars (ca. 8143 v. Chr.) |
| 92 | Maßregelung der lateinischen Rhetoren durch den Censor L. Licinius Crassus |
| 91 89 | Bundesgenossenkrieg (Kampf der Italiker um das Bürgerrecht) |
| 88 82 | Bürgerkrieg zwischen Marius (bzw. den Marianern) und Sulla |
| 86 | Sallust geboren |
| 82 79 | Sullas Diktatur. Bau des Fortunaheiligtums in Praeneste |
| 81 | Ciceros erste Rede (Pro Quinctio) |
| 70 | Erstes Consulat des Pompeius. Verres-Prozess. Vergil geboren |
| 65 | Horaz geboren |
| 63 | Ciceros Consulat. Catilinarische Verschwörung. Geburt des späteren Augustus |
| 62 | sog. Erstes Triumvirat: Pompeius, Caesar, Crassus |
| 58 57 | Ciceros Verbannung |
| 58 51 | Caesar erobert Gallien |
| 57 56 | Catull und Cinna mit Memmius in Bithynien |
| 55 | Caesar erstmals in Britannien. Pompeiustheater (erstes steinernes Theater) in Rom. Cicero De oratore. Lukrez gestorben |
| 53 | Verlust der Feldzeichen und Tod des Crassus bei Carrhae |
| 51 | Cicero vollendet De re publica, Caesar das Bellum Gallicum |
| 48 | Sieg Caesars über Pompeius bei Pharsalos |
| 46 | Selbstmord des jüngeren Cato in Utica |
| 45 | Einführung des julianischen Kalenders (Sosigenes) |
| 44 | Ermordung Caesars |
| 43 | 'Zweites' Triumvirat: Antonius, Lepidus und der spätere Augustus; erstes Consulat desselben. Tod Ciceros. Ovid geboren |
Bedingungen
Der Dichter Catull gehört zur Munizipalaristokratie; auch Lukrez ist wohl unabhängig. Prosaiker sind (abgesehen z. B. von Nepos) meist aktive Politiker und Senatoren.
Herkunft der Autoren: Überwiegend Mittelitalien, Catull aus Oberitalien.
Gattungen
Poesie
Blütezeit der nicht politischen Poesie (Lukrez, Catull)
Prosa
Rede (Cicero); Autobiographie und commentarius Sulla, Caesar); Biographie (Nepos). Leserfreundliche philosophische Gesamtdarstellungen in Prosa (Cicero) und Versen (Lukrez). Ansätze zu einer Systematisierung des Rechts (Scaevola, Cicero). Varro als Universalgelehrter.
Rezeption
Eine Bändigung des hellenistisch-asianischen Redestils (Crassus, Hortensius) erfolgt durch Rezeption der attischen Rede (streng: Attizisten; gemäßigt: Cicero). Die literarische Darstellung der hellenistischen Rhetorik (vgl. Auctor ad Herennium) steht im Zeichen philosophischer, insbesondere aristotelischer Gedanken (Cicero); die Aufarbeitung der hellenistischen Staatsphilosophie wetteifert literarisch mit Platon (Cicero). Inhalte hellenistischer Philosophie (Cicero, Lukrez) werden zum Teil in Formen rezipiert, die an Klassisches (Platon) und Archaisches (Empedokles) anknüpfen; Xenophon ist durch Caesars commentarii aus dem Felde geschlagen. Kallimacheische Qualitätsmaßstäbe (Catull) gelten für die mittleren (Kleinepos) und kleinen poetischen Formen; vereinzelt findet sich Anknüpfung an archaische Lyrik (Catull: Sappho). Einen Methodentransfer hellenistischer Sprach- und Altertumsforschung auf Römisches vollzieht Varro.
Ideen
Individuell: Die Lockerung der politischen Bindungen lässt den Einzelnen hervortreten (Autobiographie, Biographie) bzw. außerhalb der Politik persönliche Daseinserfüllung suchen (Philosophie: Lukrez; Liebesdichtung: Catull).
Politisch: Im Zeichen der Krise werden politisch-ethische und juristische Vorstellungen der Republik rückblickend zum Teil mit Hilfe griechischer Philosophie bewusst gemacht und für die Gegenwart neu definiert (Cicero, Juristen). Die Annalisten und Varro gestalten ein römisches Vergangenheits- und Sprachbewusstsein.
Interkulturell: Griechisch-römische Biographienreihen (Nepos) und die parallele Verwendung griechischer und römischer Beispiele in der Literatur (Cicero, schon bei Cato vorbereitet) konstituieren als 'doppelte Ahnenreihe' ein 'griechisch-römisches' Kulturbewusstsein.
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Augusteische Zeit (ca. 43 v. Chr.14 n. Chr.) |
| 42 | Schlacht bei Philippi. Horaz nimmt als Offizier aufseiten des Brutus teil |
| ca. 42 35 | Vergils Eklogen |
| 41 40 | Perusinischer Krieg. Bei dem Blutbad unter den Bürgern der Stadt verliert Properz einen Verwandten. |
| ca. 39 29 | Vergils Georgica |
| 31 | Schlacht bei Actium |
| ca. 29 19 | Vergils Aeneis |
| 28 | Weihung des Apollotempels auf dem Palatin |
| 27 | Augustus-Titel. Agrippa beginnt den Bau des Pantheons |
| 26 | Selbstmord des Cornelius Gallus |
| 23 | Tod des Marcellus. Marcellustheater begonnen. Horaz, Carmina, Buch 13 |
| 20 | Rückgabe der von Crassus verlorenen Feldzeichen durch die Parther. Horaz, Episteln, Buch 1 |
| 19 | (spätestens 17) Tod Vergils und Tibulls |
| 18 | Lex Iulia de maritandis ordinibus |
| 17 | Saecularfeier; Horazens Carmen saeculare |
| 13 9 | Ara Pacis |
| 8 | Horazens Tod |
| 2 | Augustus Pater Patriae. Augustus-Forum |
| ca. 1 | Ovid, Ars amatoria |
| 8 n. Chr. | Ovid, Metamorphoses |
| 14 n. Chr. | Tod des Augustus. Inschriftliche Veröffentlichung seines Tatenberichts |
Bedingungen
Herkunft der Autoren: Süditalien (Horaz), Mittelitalien (Sallust, Tibull, Properz, Ovid), Norditalien (Vergil, Livius).
Maecenas-Kreis: dem Princeps nahestehend, bewährte Autoren ohne Rücksicht auf vornehme Herkunft.
Messalla-Kreis: dem Princeps ferner stehend, auch jüngere Autoren, aber aus vornehmen Familien.
Historiker zunächst noch Senatoren (Sallust, Pollio), dann Berufsschriftsteller (Livius).
Gattungen
Poesie
Vollendung des Epos: Vergils Aeneis. Didaktische Poesie: Vergils Georgica; Gattungsmischungen in Ovids Ars amatoria und Horazens Ars poetica (Pisonenbrief)
Neu: Bucolica (Vergil): strukturierte Sammlung aus 10 Stücken (vgl. Horaz, Satiren, Buch 1 und Tibull, Buch 1). Metrisch und als Ganzes vielfach neuartig die Odenbücher (13; 4) und das Iambenbuch (Horaz)
Satire seit Horaz rein hexametrisch; poetische Epistel.
Blüte der Elegie (Properz, Tibull, Ovid).
Epigramm (Marsus).
Prosa
Erstmals in Rom literarisch wertvolle Geschichtsschreibung.
Anstelle der politisch entwerteten Rede: Schuldeklamation; Pointenstil.
Vitruvs Fachbuch De architectura.
Rezeption
Griechisch-römisch: Die Rückwendung von hellenistischen zu klassischen und archaischen Vorbildern zeigt sich im Lebensweg Vergils von neoterischer Kleinpoesie über das theokritische Idyll und arateisch-hesiodische Didaktik zum Wetteifer mit Homer. Ähnlich greift Horaz in seiner Lyrik nicht nur auf Hellenistisches, sondern auch auf Frühgriechisches zurück. Diese Autoren schwimmen gegen den Strom der literarhistorischen Entwicklung; die frühgriechischen Vorbilder verhelfen ihnen zur geistigen Selbständigkeit.
Die lateinische Geschichtsschreibung gewinnt, ausgehend von Hellenistischem, aber zugleich in Anlehnung an Älteres, erstmals Profil: Sallust kann als römischer Thukydideer, Livius als Herodoteer gelten. Die Tendenzen der Prosa und Poesie zur Anknüpfung an Älteres finden Parallelen in der Bildenden Kunst und hängen mit der politischen Zeitstimmung zusammen.
Innerlateinisch: Sallust gibt seinem selbstgeschaffenen archaisierenden Stil bewusst eine catonische Färbung. Horaz steht als Satiriker in der Auseinandersetzung mit Lucilius; er fühlt sich diesem freilich überlegen. Weiter geht die innersprachliche Traditionsbildung bei den Elegikern. Es wird jetzt möglich, mit einer als maßgebend empfundenen heimischen Überlieferung einen Dialog zu führen. Diese tritt bald ebenbürtig der griechischen an die Seite.
Ideen
Individuell: Die Elegie entwickelt eine Möglichkeit privater Daseinserfüllung; die Liebesthematik erfährt in Ovids Metamorphosen eine weitgehend unpolitische Projektion ins epische Großformat. Das poetische ingenium wird für den verbannten Ovid zur Gegeninstanz gegen den Herrscher. Die Sinnentleerung politischen Wirkens ermöglicht auch eine Aufwertung philosophischer Kontemplation (Manilius).
Politisch: Der neu geschenkte Friede nach jahrzehntelangen Wirren findet seinen epischen Niederschlag in der Aeneis, deren Wertsetzungen bald allgemein als Ausdruck römischer Identität akzeptiert werden. Vergil und Horaz, die sich als vates auch für die Gesellschaft verantwortlich fühlen, sind ihrer Zeit vielfach voraus und halten ihr und dem Machthaber den Spiegel vor: Vergil insistiert auf pietas bis hin zur Solidarität mit dem Gegner. Horaz lässt die Muse in den Römeroden dem Herrscher "milden Rat" (lene consilium) erteilen. Livius projiziert eine fast menandrische Humanität, deren die neue Epoche dringend bedarf in die Frühzeit zurück und stilisiert die Republik nachträglich zu einem Bilderschatz zukunftsweisender Bürgertugenden.
Interkulturell: Vergil formt einen römischen Mythos und stellt ihn selbstbewusst Homer an die Seite. Auch im einzelnen deutet er an, dass an die Stelle der Antithese längst die Versöhnung beider Kulturen getreten ist.
In großer Vollständigkeit gestalten einerseits Ovid den griechischen Mythos, andererseits Livius die römische Geschichte als zwei Arsenale typischer Personen, Situationen und Verhaltensweisen. In jener Zeit entstehen auch griechisch-römische Doppelbibliotheken.
Zeittafel Teil II
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